Der Weidenthaler Whisky-Club gilt als einer der wohl umtriebigsten innerhalb von ganz Deutschland. Gerade jetzt waren wieder 8 Mitglieder nebst ihren Damen in südlichen Gefilden der Republik unterwegs. Darunter auch die Basler Freunde Ruth Stebler und Ehrenmitglied Ernst (Aschi) Cueni. Ziele waren die neue Finch Whisky-Destillerie von Hans-Gerhard Fink in Breithülen bei Heroldstatt, die grundlegend modernisierte Slyrs-Destillerie am oberbayerischen Schliersee und zum guten Schluss die wohl weltweit einzigartige „Walhalla of Whisky“ von Whisky Ikone Pit Krause in Regensburg.
Vom schwäbischen Hofgut zum anerkannten Whisky-Destiller. Die Vita von Hans-Gerhard Fink ist heute bereits legendär. Schon die Begrüßung war herzlich. Und so sollte der komplette Nachmittag in der Finch Whisky-Destillerie auf der schwäbischen Alb verlaufen. Doch bis es soweit war, wurde noch dem berühmten Blautopf in Blaubeuren ein Besuch abgestattet. Dieser ist ein sehr beliebtes Ausflugsziel und ist bekannt für sein intensives blaues Wasser. Für geübte Höhlentaucher ist das Gewässer ein besonderer Höhepunkt.
Hans-Gerhard Fink verbindet traditionelle Landwirtschaft mit hochpräziser Destillationstechnologie. Rund 6.000 Whiskyfässer nennt er sein eigen. Nach der Destillation reift der New Make kurz, bevor er in ausgesuchte Fässer abgefüllt wird. Die Reifung erfolgt in den klimatisierten Bunkern des 1.4 km entfernten ehemaligen französischen Munitionsdepots. „Jede Nacht saufen mir die Engel hier fast 100 Liter weg“, scherzt er mit einem Augenzwinkern. Die Reifedauer seiner Whiskys liegt im Schnitt bei 7 – 12 Jahren, aber gerne auch mal länger. Diverse Fassproben konnten im kühlen Depot genossen werden, bevor dann in der Destillerie das umfangreiche Tasting gestartet wurde. Ein toller Tag mit Finch bei Fink. Man sieht sich am 23. Oktober in Weidenthal wieder. Dann nämlich kommt der sympathische Schwabe zu einem Tasting zum Weidenthaler Club in die Pfalz.
Nach Weidenthal kommt am 25. September auch Helmut Knöpfle von der komplett umgebauten Slyrs-Destillerie am Schliersee. Dort gab es in der jüngeren Vergangenheit ein mittleres Personalbeben. Der neue Geschäftsführer Steffen Brandt hat das Urgestein Hans Kemenater abgelöst und auch andere Mitarbeiter haben die Brennerei verlassen. Die Destillerie setzt nun voll auf Helmut Knöpfle. Er hat ab 1.10.2024 die Position des Head of Brand Experience inne. Als leitender Markenbotschafter hat er die neu geschaffene Abteilung Customer Experience Management übernommen und ist damit unter anderem für Tastings und Events verantwortlich. Die Weidenthaler haben schon längere Zeit sehr gute freundschaftliche Kontakte zu ihm, war er doch schon am 3. März 2023 als Markenbotschafter von Lantenhammer beim Glencairn-Club in der Pfalz.
Vor der Führung durch die neue Slyrs-Destillerie traf man sich bereits im gutbürgerlichen Gasthaus „Zum Goldenen Tal“ in Naring bei Weyarn zum Mittagessen. Den Gasthof samt Personal und Speisekarte würde man sich schon auch ganz gerne nach Weidenthal wünschen. Der Nachmittag stand dann ganz im Zeichen von „Schliers“. Nicht jeder kann sich ob einer Privatführung von Helmut Knöpfle glücklich schätzen. Die „Waaredaaler“ hatten das Vergnügen. Insbesondere die neue Destillationsanlage imponierte. Natürlich auch die Fasslager mit unter anderem drei großen Fässern des neuen deutschen Meisters Bayern München. In der Auslage zu sehen, ein alter Slyrs-Johanniskreuz. Leider schon sehr lange ausverkauft und wird es wohl auch nie wieder geben. Die drei Tasting-Whiskies waren dagegen leider der normale Standard. Das konnte aber den wunderbaren Tag bei Slyrs und Helmut Knöpfle nicht wirklich trüben.
Tags darauf hatten die Weidenthaler einen Traum. Ein Traum, der sich im Laufe von vielen Jahren der Gymnasiallehrer Pit Krause in Regensburg erfüllte. Whisky in allen Varianten treibt ihn um, wie die Mitglieder des kleinen Whisky-Clubs aus der Pfalz auch. Bevor sich die Weidenthaler ihren Traum erfüllen sollten, waren sie noch im Biergarten des Klosters Weltenburg zu Gast. Bei bestem Wetter gab es wunderbare Biere und bayerische Essensschmankerl zum genießen. Die Klosterkirche und der Donaudurchbruch waren weitere Anlaufpunkte.
Doch Pit Krause and Friends schafften etwas, was es so wohl auf der Welt nicht noch einmal gibt. Sie gründeten mit „slowdrink“ einen Whisky-Club, mit nun 7.000 Mitgliedern und bauten sich ein Whisky-Paradies. Ein lebendiges Museum mit etwa 14.000 Flaschen und allen möglichen Gerätschaften und Unikaten zum „Wasser des Lebens“. Nachdem mit dem fast 400 Jahre alten Gebäude des „Spitalkeller“, welches die Stammkneipe von Oskar Schindler war, gefunden wurde, waren unzählige Hände von 2016-2023 dabei auf diesem Platz ein lebendiges Museum zu schaffen. Im Oktober 2023 war es dann so weit und die Walhalla, benannt nach der großen Walhalla, mit der Ruhmeshalle für deutsche Klassiker, ein wenig donauaufwärts bei Regenstauf, konnte eröffnet werden. Ausstellungsstücke zum Thema Whisky in jeglicher Art werden präsentiert, sowohl Sammlungen von Pit Krause, als auch viele weitere flüssige Exponate rund um den Globus. Historische Gerätschaften rund um die Whiskyherstellung, Kuriosa, Accecoires, Relikte, kulturell und zeitgeschichtlich bedeutende äußerst seltene Flaschen sowie Bücher und Zeitschriften
Natürlich wurden dann auch noch fünf absolute Whisky-Raritäten in den schweren Ledersesseln der Lounge genossen. Die da waren: Rare Old MacPhail´s, 30 Y, 40 %, Irish Single Malt, 27 Y, 47,1 % (1990 – 2017),Talisker, 25 Y, 54,2 %, Port Ellen 21 Y (1983 – 2004), 50,0 % Douglas Laing. Bei den Whiskys in der Walhalla handelt es sich nicht um Ausstellungsstücke, da sie durchaus auch genossen werden können. Schließlich, so Pit Krause, seien die Flaschen ja zum Trinken gemacht worden.
Bei Kaffee und Kuchen im Café Paul in Diemerstein klang diese außergewöhnliche Reise schön locker aus. Man darf gespannt sein, wohin es im kommenden Jahr gehen wird. Ideen gibt es schon genug.
Weidenthal, 20.4.2026
Herbert Laubscher

Der Blautopf in Blaubeuren

Die Finch-Destillerie im Schwabenland

Gruppenbild vor einem Bunker von Finch

Herr über 6.000 Fässer - Hans-Gerhard Fink

Gruppenbild vor der erneuerten Destillerie

Das Heiligtum von Slyrs

Helmut Knöpfle im Fasslager

Kirche und Biergarten vom Kloster Weltenburg

Ein Muss für jeden Whiskyfreund

Zwei die sich verstehen - McHerbie und Pit Krause

Gruppenbild in der Whisky Walhalla